Eurythmie

Welchen Beitrag kann die Eurythmie auf einer Seite, wie „Leben im Fluss“ es ist, leisten?

Eurythmie ist ihrer Entstehung nach vor allem eine Bewegungskunst auf spiritueller Grundlage. Das bedeutet, dass der Mensch, der Eurythmie macht, sich öffnet für kosmische Gesetzmäßigkeiten, die organisierend in den Menschen und in die irdische Welt allgemein hineinwirken. Das gilt sowohl für die als Bühnenkunst ausgeübte Eurythmie, als auch in der pädagogischen, der hygienischen und der therapeutischen Eurythmie (Heileurythmie).

Eurythmie kann einen großen Beitrag leisten auf dem Gebiet der Salutogenese, das heißt, sie knüpft an den Ursprung der Gesundheit an und hilft, aus dem Gleichgewicht geratene Teile des Menschen wieder in Harmonie zueinander zu bringen. Wenn wir von einer ganzheitlichen Betrachtungsweise des Menschen sprechen, so meinen wir meistens damit, dass der Mensch als Ganzes anzuschauen ist – er aus Leib, Seele und Geist besteht. Ein anderes Vokabular, das aber Ähnliches ausdrückt, sind die Bezeichnungen: Denken, Fühlen und Wollen. Entwickeln sich diese drei Systeme aufgrund vielerlei Ursachen zu ungleichmäßig oder einseitig, so gerät das Ganze in Gefahr zu entgleisen. Hier setzt die Eurythmie an, die ihrem Wesen nach alle drei Aspekte enthält: Der Leib wird geschult, die Seele „tanzt“ und die Inhalte der Eurythmie sind geistiger Natur. Inhalt kann im sprachlichen Bereich Dichtung, Prosa oder auch der einzelne Laut (Vokal oder Konsonant) sein. Musikalische Inhalte sind Melodie, Rhythmus, Intervalle, Akkorde, Konsonanzen und Dissonanzen oder einzelne Töne. Alles findet seinen Ausdruck durch die eurythmischen Gebärden und den Bewegungen (gelaufenen Formen) im Raum.
Über den Aspekt des „Ganzseins“ oder „Ganzwerdens“ des einzelnen Menschen hinaus, erlebt  derjenige, der beispielsweise einen Eurythmiekurs besucht, sich gleichzeitig auch als Teil eines größeren Ganzen. Er steht in Beziehung zu anderen Menschen und findet ein weites Übungsfeld innerhalb der „Raumformen“ für die Erlangung von sozialer Kompetenz. Beides sind auch wichtige Kriterien in der pädagogischen Eurythmie, die an allen Waldorfschulen, vom Kindergarten bis zur Abiturklasse, unterrichtet wird.

Um als Eurythmist/in tätig sein zu dürfen, muss ein inzwischen 5jähriges Vollzeitstudium absolviert werden. Daran schließen sich die speziellen Ausrichtungen wie pädagogische Eurythmie (ein weiteres Jahr) oder Heileurythmie (zwei zusätzliche Jahre) an. 

Eurythmiekurse oder Seminare werden in fast allen Städten angeboten. Kontakte erhalten Sie wahrscheinlich am leichtesten über Waldorfschulen oder andere anthroposophische Einrichtungen. Falls Sie nicht fündig werden, helfe ich Ihnen gerne weiter.                                                               

Brigitte Schult-Debusmann