Depressionen


Wenn die Seele weint

Depressionen können wirklich jeden treffen. Viele wollen es einfach nicht wahrhaben, machen sich Selbstvorwürfe und versuchen alles, damit die Umwelt es nicht merkt. Die Gefühle, die Gedanken und das Verhalten des Betroffenen ändern sich. Es kommt zu längeren Perioden von Traurigkeit und Antriebslosigkeit. Man ist traurig, findet keinen Grund und man hat keine Lust, irgendetwas zu unternehmen.

Meistens werden Pflichten so lange wie möglich aufrecht erhalten und Dinge, die einem eigentlich immer Spaß gemacht haben, werden gänzlich gestrichen, obwohl das gerade eine gute Therapie wäre, wenn man sich nur dazu aufraffen würde.

Weitere Symptome:
Konzentrationsstörungen, Pessimismus, Unfähigkeit, sich zwischen mehreren Dingen zu entscheiden, Blockaden im Denken, Gedankenkreisen, Unfähigkeit, Gefühle zu beschreiben und Gedanken durch Worte auszudrücken, „Sprachlosigkeit“, Appetitstörungen (mit der Folge der Gewichtszunahme oder –abnahme), erhöhtes Schlafbedürfnis oder Schlaflosigkeit, die Sprache und die Gestik können verlangsamen, ständige Müdigkeit. Bei schweren Depressionen kann es auch zu Selbstmordgedanken kommen. „Es hat doch alles keinen Sinn mehr.“ Oft ist eine Depression von Minderwertigkeitsgefühlen begleitet. „Man kann nichts, man ist nichts, nie funktioniert etwas, ….“

Eine Depression kann sich auch durch chronische Schmerzen und durch Angstzustände bemerkbar machen.

Eine depressive Störung kann aber eine Chance sein, sich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen.

„Krise ist ein produktiver Zustand, man muss ihr nur den Beigeschmack einer Katastrophe nehmen.“ (Max Frisch)

Es gibt viele verschiedene Ursachen für Depressionen.

Zum einen die körperlichen:
Am häufigsten kommen sie bei Erkrankungen der Schilddrüse vor (sowohl bei Über- als auch bei Unterfunktion), bei Blutzuckerproblemen, bei Erkrankungen des Gehirns. Auch erhöhter Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch gehören da dazu.

Zum anderen bestimmte Lebensereignisse:
Es können sowohl positive als auch negative dazu führen. Meistens, wenn ein unvorhergesehenes Ereignis eintritt, wie z. B. der Tod eines Verwandten oder Bekannten, der Verlust des Arbeitsplatzes, die Geburt eines Kindes (die sogenannte postpartale Depression oder die leichtere Form, der „baby blues“). Und sogar ein Lottogewinn („Geld macht nicht glücklich“).

Ein kleiner Test:

Freuen Sie sich noch über Dinge, die sie früher toll gefunden haben?

Haben Sie noch Hobbies oder Treffen sie Freunde?

Ergreifen Sie weniger oft oder gar nie die Initiative als früher?

Haben Sie Ein- oder Durchschlafstörungen?

Sind Sie tagsüber oft müde und erschöpft?

Grübeln Sie in letzter Zeit viel? (Kreisen die Gedanken oft um ein Thema?)

Haben Sie oft Gedanken wie „Mein Leben ist sinnlos?“

Neigen Sie zu sexuellem Desinteresse?

Haben Sie des Öfteren ein Kloßgefühl im Hals oder ein Druckgefühl im Brustkorb?

Hat sich Ihr Appetit verändert? (mehr oder weniger)

Sind Sie öfters nervös oder ängstlich?

Haben Sie Probleme mit dem Treffen von Entscheidungen?

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, je nach Schweregrad der Depression. Ganz wichtig ist die Psychotherapie, auch Gesprächstherapie genannt. Da gibt es verschiedene Schulen und man sollte sich im Vorfeld erkundigen und einen Therapeuten suchen, dessen Methode einen anspricht. Den richtigen Therapeuten zu finden, ist oft gar nicht so einfach. Man sollte sich auf jeden Fall einen Termin für ein Erstgespräch ausmachen und danach entscheiden. Oft merkt man erst nach dem dritten Mal, ob es „passt“. Man sollte Vertrauen in die Person haben, sie sollte einem sympathisch sein und man sollte keine Hemmungen haben über alles zu sprechen, das einem wichtig ist.

Wichtig ist auch hinzuschauen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, bis in die Abgründe der eigenen Seele steigen und dann alles annehmen, was auftaucht. Jeden einzelnen Teil der Seele als wichtig und als einzigartig annehmen. Man sollte bereit sein, in dieser Zeit auch Veränderungen in Kauf zu nehmen. Die Seele hat einen darauf aufmerksam gemacht, dass etwas nicht stimmt, dass es so nicht weitergeht und darum sollte man das Leben verändern.

Je nach Schweregrad der Depression sollten auch Medikamente eingenommen werden. Der Arzt sucht das Passende. Leider dauert es oft 3 bis 5 Wochen, bis sie wirken. Deshalb kann es gerade bei einer schweren Depression anfangs auch wichtig sein, Beruhigungsmittel dazuzunehmen, bis die Wirkung eintritt. Ich möchte jetzt gar nicht auf die verschiedenen Arten von Antidepressiva eingehen, da es so viele Verschiedene gibt und ich jetzt auch nicht mit Fachausdrücken herumwerfen möchte.

Die Ergotherapie:
Hierbei setzt man sich gewisse Ziele, die man erreichen möchte. Man kann die eigenen Interessen wiederentdecken, man kann beginnen, kreativ zu arbeiten. Handarbeiten, Malen, ein Instrument spielen, … Es gibt viele Möglichkeiten. Auch hier muß man sich oft dazu aufraffen.

Geduld mit sich selbst haben!

Eine Depression entwickelt sich meist über einen langen Zeitraum und es braucht auch seine Zeit, bis sie wieder verschwindet. Das ist das schwierigste: sich Zeit geben und sich in Geduld üben und kleine Schritte vorwärts gehen. Manchmal kann es wieder einen kleinen Schritt zurückgehen, aber man sollte sich immer wieder das Ziel vor Augen halten. Ein Leben in Harmonie und Zufriedenheit.

Eine weitere Säule der Therapie ist die Bewegung. Geist und Körper spielen zusammen. Auch auf regelmäßige Entspannung sollte geachtet werden. Da gibt es Yoga, Meditation, die progressive Muskelentspannung nach Jacobsen.

Versuchen Sie doch mal, zu tanzen oder zu trommeln. Beim Trommeln kann man auch so richtig gut seine Wut rauslassen. Genau, lassen Sie doch Ihre Gefühle raus, die waren sowieso lange genug begraben unter einer schwarzen Wolke aus negativen Gedanken.

Achten Sie mehr auf Ihre Gefühle. „Wie fühle ich mich heute eigentlich?“ Fragen Sie sich das mehrmals täglich und versuchen Sie, Ihre Gefühle zu benennen.

Tun Sie sich selbst etwas Gutes. Genießen Sie. Genuss ist wichtig im Leben. Gönnen Sie sich Kleinigkeiten, wie eine gute Tasse Tee und lesen Sie gemütlich ein Buch. Nehmen Sie sich Zeit für sich und Ihre Bedürfnisse.

Für Angehörige ist es wichtig, nicht zu sagen: „Reiß dich doch zusammen!“ Das löst Schuldgefühle aus, die der Depressive aber schon mehr als genug hat.

H.C Jung nannte Depressionen auch „Den Besuch der Dame in Schwarz.“

Versuchen Sie, die Krankheit anzunehmen. Sagen Sie sich: „Ok, ich habe Depressionen, sie sind jetzt da und ich kann da auch wieder rauskommen. Sie werden mich nicht ewig begleiten. Ich werde in Hinkunft mehr auf mich achten.“

Und, wenn man sich einen Knochen bricht, muss man auch geduldig sein, bis er wieder verheilt ist. Im Falle einer Depression hat die Seele einen Sprung.

Dann gibt es auch noch die sogenannten „endogenen Depressionen“, sie sind durch ein zu wenig an Serotonin (ein Botenstoff im Gehirn) ausgelöst. Da kommt man um eine Medikamenteneinnahme gar nicht herum.

Also, wer kennt das nicht, wenn einem alles zuwider ist, man sich am liebsten unter der Bettdecke verstecken möchte und man sich selbst nicht ausstehen kann. Bei manchen ist das nur eine kurze Verstimmung, bei Menschen mit einer Depression kann das über viele Tage, Wochen und Monate so sein.
Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, daß man auch wieder rauskommen kann. Am Anfang erscheint der Berg, der vor einem steht, unüberwindbar. Dann geht man los, auf kleinen Serpentinen, immer weiter und weiter - und plötzlich ist man am Gipfel, hisst eine Fahne und irgendwann liegt dieser gewaltige Berg, diese Hürde im Leben, hinter einem, man schaut zurück und ist stolz, diese Hürde gemeistert zu haben.

Ich wünsche dir

Ich wünsche dir Augen,
die die kleinen Dinge des Alltags
wahrnehmen und ins rechte Licht rücken;
ich wünsche dir Ohren,
die die feinen Schwingungen und Untertöne
im Gespräch mit anderen aufnehmen;
ich wünsche dir Hände,
die nicht lange überlegen,
ob sie helfen und gut sein sollen;
ich wünsche dir zur rechten Zeit
das richtige Wort;
ich wünsche dir ein liebendes Herz,
von dem du dich leiten lässt.
Ich wünsche dir:
Freude,
Liebe,
Glück;
Zuversicht, Gelassenheit, Demut;
ich wünsche dir Güte -
Eigenschaften,
die dich werden lassen, was du bist
und immer wieder werden willst -
jeden Tag ein wenig mehr.
Ich wünsche dir genügend Erholung
und ausreichend Schlaf,
Arbeit, die Freude macht,
Menschen, die dich mögen
und dich bejahen
und dir Mut machen;
Menschen, die dich bestätigen,
aber auch Menschen,
die dich anregen,
die dir Vorbild sein können,
die dir weiterhelfen,
wenn du traurig bist,
müde und erschöpft.
Ich wünsche dir
viele gute Gedanken und ein Herz,
das überströmt vor Freude
und diese Freude weiterschenkt.

Depression ist eine Krankheit oder besser gesagt, ein Zustand, der sehr gut behandelbar und auch heilbar ist.
Oft dauert es einige Zeit, bis das richtige Medikament gefunden wird und es kann auch vorkommen, dass man den Psychotherapeuten öfters wechseln muss, weil einfach die „Chemie“ nicht stimmt und man sich bei den Sitzungen nicht wohlfühlt.
Man sollte auf keinen Fall den Kopf hängen lassen, wenn es zu mehreren depressiven Phasen kommt. Wichtig ist, sich Hilfe zu suchen und auch Vertrauenspersonen von der Erkrankung zu erzählen, damit sie einem rechtzeitig aufmerksam machen können, wenn der Betroffene sich verändert. Wenn er sich zum Beispiel mehr zurückzieht, seine Interessen verliert, die er vorher geliebt hat oder sich seine Stimmung verändert.
Hilfreich können auch Selbsthilfegruppen sein, weil man die Möglichkeit zum Austausch hat und sieht, daß man nicht alleine ist. Depressionen und Angststörungen entwickeln sich immer mehr zur Volkskrankheit.
Es gibt mehrere Hilfsmöglichkeiten: Hausärzte (diese kennen einen meistens schon ganz gut), Fachärzte für Psychiatrie, psychosoziale Beratungstellen, Ambulanzen und Krankenhäuser.
Mittlerweile ist eine Depression auch kein Tabuthema mehr, die Zeiten haben sich verändert, man wird nicht mehr für „verrückt“ gehalten.
Erkrankte verschweigen ihre Krankheit lange, auch in der heutigen Zeit noch, obwohl eine Depression zu den häufigsten Leidenszuständen gehört. Wenn man sich dann doch in Therapie begibt, erkennt man, dass es doch auch viele andere Menschen betrifft. Von der Hausfrau, dem Pfarrer, dem Akademiker, Jugendlichen bis hin zu den Ärzten selbst.
Lange Zeit denkt man sich: „Ich schaff das schon!“ Aber man erspart sich viel Zeit und Energie, wenn man sich möglichst bald Hilfe sucht. Psychische Krankheiten können wirklich jeden treffen. Und fast jeder Mensch hat im Laufe seines Lebens einmal eine „depressive Verstimmung“.
In den Industriestaaten wird der Selbstmord als dritt- bis vierthäufigste Todesursache geschätzt. Kennt nicht fast jeder einen Verwandten oder Bekannten, der aufgrund einer vermeintlichen (!) Auswegslosigkeit diesen Weg gewählt hat? Viele hätte man verhindern können.
Verschiedene Therapieformen:
Psychotherapie: oft liegen Depressionen vor und man kann sie auf Enwicklungen in der Kindheit zurückführen. Grundeinstellungen, Gewohnheiten und bestimmte Verhaltensmuster werden in dieser Phase erlernt.
Es gibt verschiedene Verfahren:
Entspannende:  Meditation, autogenes Training, Muskelentspannung nach Jacobsen.
Verhaltenstherapie: Lernen neuer Verhaltensweisen, Sicherheitstraining
Tiefer gehende Verfahren: Gesprächstherapie, systemische bzw. Analytische Therapie. Klärung der eigenen Geschichte. Aufdecken bestimmter Denkmuster.
Gruppentherapie: gut als Einstieg.
Die Depression hat viele Gesichter. Traurigkeit, Angst, Selbstwertminderung, Lust- und Freudlosigkeit. Aber auch Fehlen von negativen Emotionen (wie z.B. Ärger), nicht traurig oder wütend sein können, kann auf eine Depression hinweisen.
Ebenso können körperliche Beschwerden, für die keine medizinische Grundlage gefunden werden, im Rahmen einer Depression auftreten.
Die moderne Depressionsbehandlung besteht aus einer Kombination von professioneller Psychotherapie, kombiniert mit Antidepressiva. Viele Menschen wollen keine Pillen einnehmen, aber bei einer Depression, bei der der Stoffwechsel im Gehirn (Serotonin und Noradrenalin) gestört ist, ist dies unumgänglich.
Zum Thema Selbstmordgefahr:
Fast jeder sucht anfangs Gespräche mit Freunden und sendet Signale aus, ruft Menschen an. Das ist die Unentschlossenheitsphase. Hier ist er noch für Hoffnung zugänglich. Wenn der Selbstmord beschlossen ist, ist der Betroffene meist nicht mehr erreichbar.
Was kann man tun?
Freunde und Verwandte könnten helfen. Zeit investieren, Gespräche führen, Gefühle zulassen. Man sollte immer ehrlich dabei sein.
Die versteckte, somatisierte Depression, die sich nur in körperlichen Symptomen äußert: Kopf- und Nackenschmerzen, Rücken- und Gelenksschmerzen, Verdauungsstörungen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit (aber auch -steigerung), Brust- und Bauchschmerzen, Schwindel, Schwitzen werden oft lange nicht erkannt.
Eine Depression kann man einem Erschöpfungszustand gleichsetzen. Wenn dieser Zustand mehrere Wochen dauert, Schlafstörungen dazukommen, spricht man von einer zu behandelnden Depression.

 

Dr. Annunziata Vitiello

Weiterführende Literatur:

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 

 

 

Depression im Griff